Erfahrungsbericht Hypnose

Hennigsdorf, im April 2003

Liebe Patientinnen und Patienten,

Was liegt näher, wenn eine Zahnärztin die mit Hypnose ihre Patienten behandelt auch selbst mal probiert, wie sie bei ihr wirkt?
Nun lässt man sich nicht mehr so oft einen Zahn ziehen, aber als mein seit 24 Jahren wurzelbehandelter, oberer kleiner Backenzahn abbrach, reifte in mir der Gedanke, mir den Zahn ohne Spritze ziehen zu lassen. Mir kam zu Gute, dass die Frau meines Chirurgen sich ebenfalls mit Hypnose beschäftigte.
Der Doktor war reichlich überrascht: „Ohne Spritze?“ In mir selbst kamen Zweifel auf: „Bin ich wirklich dazu fähig?“
An jenem Dienstag wachte ich morgens schon mit einem tauben Kiefer auf: „Oh mein Gott! Die falsche Seite war taub. Wie soll das gehen? ... Aber zur Not bleibt ja noch die Spritze.“ Auf dem Weg in die Praxis waren meine Hände eiskalt: „Ja, gleich einen Kopfhörer auf mit entspannender Musik ... Wie war das? Thema: Ski fahren.“
Es sollte eine sogenannte Aktiv-Anästhesie-Hypnose werden.
Dazu stellte ich mir vor, ich bin im Skiurlaub und habe eine schwierige Buckelpiste vor mir. Wie Sie ja wissen, muss ich mit meinem Knie sehr vorsichtig umgehen und mich deshalb sehr konzentrieren. Frau Dr. J. suggerierte mir eine schöne Schneelandschaft, Sonne, kühle Luft, die Zurufe von lachenden Freunden. „Bloß gut, dass kenne ich: sehen, hören, fühlen...“ Ich hörte noch die Stimme des Doktors: „Wirklich ohne?“ Aus der Ferne dann die Suggestion von Kühle, Taubheit ...
Dann ging es auf meinen imaginären Skihang: „Rechts, links aufgepasst, leicht in die Knie gehen, ja oben bleiben.“ Irgendwie merkte ich, wie mir kleine Schweißperlen den Rücken herunter liefen. Ein kurzer Gedanke: „Hoffentlich bleibt alles taub, wenn ich so schwitze.“
Ich spürte den Druck rechts oben im Kiefer: „Ist er schon `raus? ... Wie lange dauert es noch?“ Dann wurde ich etwas wacher. „Ist der Zahn heraus?“ Er war tatsächlich heraus - Freude!!!
„Der Kiefer wird so lange taub bleiben, wie es für die Wundheilung gut ist. Die Blutung wird abgedreht ...“ Es funktionierte.
Ich war begeistert über mich, über die Kollegen und Helferinnen und fahre gleich darauf in meine eigene Praxis: „Das müssen meiner Mitarbeiter gleich erfahren!“
Nun war die Zahnlücke nicht mehr so schlimm, der Verlust wurde eher von Freude überlagert. Ja sogar als das Provisorium nicht hielt, trug ich stolz die Lücke: „Da kommt ein Implantat hinein – ganz ohne Spritze gezogen.“

Dr. Marianne Werner